Pädophile StraftäterInnen sind allgemein einer besonderen Verachtung ausgesetzt. Auch für PsychotherapeutInnen ist es schwierig, mit ihnen eine empathische, vertrauensvolle und professionelle Beziehung aufzubauen. Doch sie ist die entscheidende Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung. Die Chancen sind bescheiden: Erwachsene, die ausschließlich auf Kinder fixiert sind (Kernpädophilie), verlieren ihre Sexualpräferenz nicht; das Therapieziel beschränkt sich darauf, den Impuls und das Verhalten beherrschen zu lernen. Wer jedoch sexuelle Befriedigung sowohl mit Kindern als auch Erwachsenen erleben kann (pädophile Nebenströmung), soll lernen, sich auf Gleichaltrige zu konzentrieren. Pädophile Männer zeigen in der Therapie zunächst meist Wahrnehmungsverzerrungen und schreiben dem missbrauchten Kind Mitverantwortung zu. Der Weg zum Verstehen der eigenen offenen oder verdeckten Triebfedern, der eigenen Devianz, der eigenen Schuld erfordert einen schmerzhaften Lernprozess mit zugewandter Hilfe einer Therapeutin oder eines Therapeuten. Die Erziehungswissenschaftlerin und Psychotherapeutin Dr. Alexandra Gassl hat in einem forensisch-therapeutischen Zentrum in Österreich sowohl Straftäter als auch ihre TherapeutInnen ausführlich interviewt und die Aussagen miteinander abgeglichen. Daraus sind mehrperspektivische Skizzen unterschiedlichster Persönlichkeiten und Biografien abseits von Schematisierungen entstanden. Die Autorin bietet TherapeutInnen, forensischen Pflegekräften und persönlich Betroffenen Informationen und Anleitungen, Pädophile zu verstehen - ohne die Täter zu exculpieren. Ein reflektierter und erprobter Interview-Leitfaden listet auch die hochsensiblen Fragen auf, deren Antworten ein Verständnis ermöglichen und als Grundlage für eine Exploration dienen.
Inhalt
Vorwort 8
Abkürzungsverzeichnis 8
1. Generelle Informationen 10
1.1. Persönliche Präferenzen für das Thema 12
1.2. Historische Stationen in der Sexualität von Erwachsenen mit Kindern 14
1.3. „Das ist doch ganz normal!“ Kinderliebe oder zerstörte
Kindheit in unterschiedlichen Kulturen und Religionen 18
1.4. Definitionen und begriffliche Differenzierungen von Pädophilie 18
1.4.1. Allgemeine Begriffe und Erscheinungen zu Paraphilien und Sexualdelinquenz 21
1.4.2. Definition von Pädophilie nach ICD-10, DSM 5 und der Pathopsychologie 22
1.4.3. Diagnostik von Pädophilie 23
1.4.4. Typologien von Pädophilie 26
1.4.5. Pädophilie versus sexueller Kindesmissbrauch 30
1.4.6. Ersatzhandlung oder pädophile Nebenströmung versus primäres
Interesse am Kind 31
1.4.7. „Missbrauch-Missbraucher-Hypothese“ oder „Viktimisierungshypothese“ 32
1.4.8. Kinderpornographie 33
1.4.9. Die Persönlichkeit von pädophil orientierten Menschen und
Sexualstraftäter:innen 34
1.4.10. Pädophile Perversion ist nicht gleich pädophile Perversität -
psychoanalytische Aspekte 35
1.4.11. Besondere psychodynamische Aspekte der Pädophilie 35
1.4.12. Ursachen und Entstehung von Pädophilie und Hebephilie 36
1.4.13. Die Motive der Täter:innen 38
1.5. Die weibliche Pädophilie - eine gesellschaftliche Verleugnung? 39
2. Das österreichische Strafrecht - der Weg von der Diagnosestellung bis zum
Maßnahmenvollzug (= Mit Freiheitsentziehung verbundene
vorbeugende Maßnahmen) 42
2.1. Ablauf eines Strafverfahrens 43
2.2. Das öUnterbringungsgesetz für den Maßnahmenvollzug mit
§ 21/1 und § 21/2 öStGB 46
2.3. Das Maßnahmenvollzugsanpassungsgesetz 2022 47
2.4. Das Spannungsfeld Justiz - Gesellschaft - Patient:in (Insass:in) - Therapeut:in 48
3. Behandlung und Therapie von und mit pädophilen Täter:innen im
Maßnahmenvollzug und in der forensischen Nachbetreuung 49
3.1. Psychotherapeutische Verfahren, Ansätze, Methoden und Rahmenbedingungen
im Maßnahmenvollzug sowie in der forensischen Nachbetreuung 52
3.2. Das Behandlungsprogramm BEDIT - Berliner Dissexualitätstherapie zur
Prävention sexueller Übergriffe auf Kinder und Jugendliche 53
3.3. Kein Täter werden - Präventionsprojekt Dunkelfeld (PPD) 54
3.4. Realistische versus unrealistische Therapieziele 55
3.5. Medikamentöse oder somatische Therapie sexueller Präferenzstörungen -
speziell Pädophilie 55
4. Psychotherapeutische Wirkfaktoren im forensischen Kontext 56
4.1. Therapeut:innen von pädophilen Patient:innen und Insass:innen im
Maßnahmenvollzug 56
5. Themen der Leitfadeninterviews 57
6. Interviewpartner:innen und Methode 58
6.2. Leitfaden und Durchführung der Interviews mit der Gruppe der pädophilen
Insassen 59
6.3. Leitfaden und Durchführung der Interviews der Gruppe der
Betreuungspersonen 59
6.4. Leitfaden und Durchführung der Interviews mit nicht inhaftierten Pädophilen 60
6.5. Geplante Durchführung von Interviews mit pädophilen Frauen 60
6.6. Einverständniserklärung 60
6.7. Qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring als Auswertungsmethode 60
7. Ergebnisse der Interviews 62
7.1. Interviewpartner:innen 62
7.2. Deduktive und induktive Kategorien der Interviews mit den Insassen 62
7.2.1. Übersichtstabelle über die Kategorien der Insassen 72
7.3. Deduktive und induktive Kategorien der Interviews mit den Professionist:innen 76
7.3.1. Übersichtstabelle über die Kategorien der Professionist:innen 91
7.4. Deduktive und induktive Kategorien der Interviews mit nicht-inhaftierten
Pädophilen 95
7.4.1. Übersichtstabelle über die Kategorien der nicht-inhaftierten Pädophilen 99
7.5. Gegenüberstellung der Themen zu denen Insassen und Professionist:nnen
Stellung genommen haben mit Übersichtstabellen 100
8. Resumee 110
8.1. Schwächen, Stärken und Chancen der Untersuchung 118
8.2. Eigene Reflexionen zur Forschungsarbeit 120
8.3. Offene Fragen 120
9. Fazit 121
9.1. Empfehlungen 121
10. Literaturverzeichnis 124
11. Anhang 135
11.1. Interviewleitfaden für die Insassen im Maßnahmenvollzug 135
11.2. Interviewleitfaden für die zuständigen Professionen in der Tätigkeit mit
pädophilen Straftätern 136
11.3. Interviewleitfaden für die nicht-forensischen Pädophilen 137
11.4. Deduktive Kategorien des Leitfadeninterviews der Insassen 138
11.5. Deduktive Kategorien des Leitfadeninterviews der Professionist:innen 139
11.6. Deduktive Kategorien des Leitfadeninterviews mit nicht-forensischen
Pädophilen 140