In der kulturellen Praxis des Tango Argentino wird die Semantik einer Überschneidung hegemonialer Diskurse sichtbar, die insbesondere durch binäre Geschlechterrollen und heteronormative Performanz gekennzeichnet sind. Im Kontext der leidenschaftlichen und emotionalen Begegnungen des Tangos, die nicht selten von erotischen Spannungen durchzogen sind, entfaltet sich ein Diskurs, der die heteronormative Konstruktion der tanzenden Körper vermittelt. Ausgehend von der Betrachtung des Tangos als Bewegungspraxis, die in einem symbolisch-diskursiven Feld verortet ist, das den Konstitutionsrahmen für Körper und deren Bewegungen im Tanz schafft, untersucht die vorliegende Arbeit vor dem Hintergrund der Queer Theory und Ansätzen der feministischen Phänomenologie das Verhältnis zwischen dem Diskurs der Geschlechterdifferenz und der körperlich-leiblichen Erfahrung queerer Tangotänzer*innen. Im Zentrum steht dabei die Frage, auf welche Weise heteronormative Strukturen, die in der Tangokultur vorherrschen, im Sinne queerer Subversion dekonstruiert werden. Das Erkenntnisinteresse dieser Arbeit liegt darin zu verstehen, wie sich queeres Selbstverständnis im Tango manifestiert, in welchen Elementen des Tangos sich Performativität und die diskursive Konstitution von Geschlechterrollen widerspiegeln und wie queere Tangotänzer*innen in Bezug darauf den Tanz auf der körperlichen Ebene erfahren. (Verlagstext)
Inhalt
1 Einleitung
1.1 Einordnung in den Forschungskontext
1.2 Fragestellung und Ziele der Arbeit
1.3 Aufbau der Arbeit
2 Soziokulturelle Hintergründe
2.1 Der Tango und sein Archiv
2.2 Bewegungscodes in der heteronormativenOrdnung
2.3 Tango Leidenschaft - eine diskursive Illusion?
3 Der Forschungsgegenstand
3.1 Zugang zum Forschungsfeld und Selbstreflexion
3.2 Queer Tango in Buenos Aires
3.3 Topografie der Queer-Tango-Szene
4 Theoretischer Rahmen
4.1 Queer Theory
4.1.1 Performativität und Subversion
4.1.2 Queer - Ein performativer Begriff
4.1.3 Dekonstruktion als Werkzeug zurÜberwindung des
Dualismus
4.2 Feministische Phänomenologie
4.2.1 Leibliche Erfahrung
4.2.2 Körperpraxis
4.2.3 Queer Embodiment
5 Methodische Vorgehensweise
5.1 Teilnehmende Beobachtung und sinnliche Wahrnehmung
5.2 Leitfadenorientierte Interviews
5.3 Qualitative Inhaltsanalyse
5.3.1 Diskursanalytischer Fokus
6 Beschreibung des empirischen Materials
6.1 Interviews
6.1.1 Gonzalo
6.1.2 Soledad
6.1.3 Mariana
6.1.4 Juampy
6.2 Teilnehmende Beobachtungen
6.2.1 13° Festival International de Tango Queer Buenos
Aires 2019
6.2.2 Milonga El Despelote
6.2.3 Milonga Amapola
7 Analyse
7.1 „El tango es un campo de experimentaciön“ - Queeres
Selbstverständnis im Tango
7.2 „No soy del todo un hombre“ - Performativität und
kritisches Zitieren
7.3 „Mi herramienta mäs potente de expresion“ - leibliche
Erfahrung und Embodiment im Tanz
7.4 „Deconstruir eso, pero no eliminarlo“ - Queer Tango als
dekonstruktive Körperpraxis
8 Fazit
8.1 Reflexion und Ausblick
Quellen